Ein Saiteninstrument besteht, vereinfacht ausgedrückt, aus zwei Teilen: einem Tonerzeuger, der Saite, und einem Tonabstrahler, dem Resonanzkörper. Welche Materialien wurden ursprünglich als Saiten verwendet und wie war die weitere Entwicklung? Wie funktionieren Saiten für Streichinstrumente und welchen wichtigen Beitrag können sie für die Klangoptimierung der Streichinstrumente leisten? Lesen Sie auch unseren Beitrag "Vom Wesen der Saite" über Saitenkern-Materialien, Haltbarkeit, deren Vor- und Nachteile und die unterschiedlichen Materialien, die zur Umspinnung verwendet werden. |
| Einführung | Darmsaiten | Stahlsaiten | Umsponnene Saiten | Kunststoff/Synthetics | ||||
| Saitenstärke | Wahl der richtigen Saite | Der Ton | Das Instrument |
Die Art der Saite und die Korpusform bestimmen den Ton. Aber nicht nur diese zwei Faktoren sind wichtig, sondern jeder einzelne Teil des Instruments schwingt: Griffbrett, Saitenhalter, Hals, Stachel, Wirbel. Jeder dieser schwingenden Teile beeinflusst das Ganze. Vereinfacht dargestellt kann man von einzelnen Pendeln sprechen, die untereinander verbunden sind und sich gegenseitig in ihrer Schwingung unterstützen oder behindern. Das lässt sich mit einem Pendelmodell leicht nachvollziehen: Die Saiten und deren Qualität "spielen" eine besondere Rolle – sie erzeugen den Ton. Das Instrument dient der Verstärkung. Deswegen ist die Auswahl der zum Instrument passenden Saiten ein wichtiger Aspekt bei der Optimierung des Klangs. MusikerInnen haben heute die Wahl zwischen verschiedenen Materialien und Materialzusammenstellungen: Neben Darm und Kunststoffen (Nylon, Perlon, Polyester, Carbon, Synthesefasern aus der Luft- und Weltraumfahrt u.a.) finden verschiedene Stähle, Eisen- und Nichteisen-Metalle (wie z.B. Aluminium und Kupfer, Gold, Silber, Wolfram, Titan) sowie Mineralfasern bei der Saitenherstellung Verwendung. |
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Die Stahlsaite hat nun ihrerseits schon eine lange Geschichte. Im Bereich der Zupfinstrumente wird sie schon lange eingesetzt. Nicht aber für Streichinstrumente und falls doch, dann nur als Aliquotsaite, als mitklingende, aber nicht als gestrichene Saite bei den D’Amore-Instrumenten. Bei Tasteninstrumenten werden schon lange Messing-, Kupfer- und Eisensaiten verwendet. Klaviere mussten bis ins späte 18 Jahrhundert ohne Umspinnung auskommen. Erst die Möglichkeit, aus Stahl Saiten zu ziehen, und die Erfindung eines speziellen Gussverfahrens ebneten den Weg für die Herstellung von Metallsaiten für Streichinstrumente. In den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts setzte sich langsam die blanke Stahlsaite für die Violin e-Saite durch. Die Entwicklung der umsponnenen Saite war wesentlich komplizierter und erforderte viele Versuche. Auch Überredungskunst war notwendig, weil die MusikerInnen nur ungern auf die Metallsaite umsteigen wollten, obwohl die dünne e-Darmsaite häufig riss. Einerseits war der Klang noch sehr ungewohnt und etwas scharf, andererseits wurden kleine Änderungen am Instrument notwendig. Bis in die Dreißigerjahre mussten MusikerInnen in Amerika Orchesterverträge unterschreiben, die ihnen den Einsatz von Stahlsaiten verboten. Die Herstellung der Stahlsaite erfordert viel Wissen und Kunstfertigkeit. Zuerst muss das entsprechende Rohmaterial vorhanden sein: vergüteter Tiegelgussstahl. Dieser wird sukzessive durch mehrere Ziehsteine und Ziehdiamanten immer dünner gezogen. Dabei wird der Stahl auch verdichtet: die Struktur des Materials verändert sich. Der/die SaitenherstellerIn kann dabei immer nur die allerbeste Qualität verwenden. Der größte Teil der Produktion wird für andere Zwecke wie Bürsten, Schmuckdraht und dergleichen verwendet. Der Nachteil waren lange Zeit der etwas scharfe und näselnde Klang. Im Gegensatz zur Darmsaite, die eine gute innere Dämmung hat, klingt die Stahlsaite nach. Was bei Zupfinstrumenten ein durchaus erwünschter Effekt ist, wird bei Streichinstrumenten jedoch zum gehörigen Nachteil und kann nur durch Dämpfung des Stahlsaitenkerns gelöst werden. |
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Bevor die HerstellerInnen in der Lage waren, Saiten zu umspinnen, mussten die InstrumentenbauerInnen oft abenteuerliche Konstruktionen ersinnen, um für tiefe Töne die entsprechend lange Mensur zu erhalten. Archilutes und Chitarrones mit Mensuren über 120 cm waren keine Seltenheit. Die Erfindung der umsponnenen Saite wird dem Franzosen Sainte Colombo Ende des 17. Jahrhunderts zugeschrieben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die feinen Metalldrähte eher zufällig in Italien bei der Trachtenerzeugung entdeckt wurden. Diese wurden nicht wie heute durch Schleifsteine "gezogen" oder gewalzt, sondern durch mehrere Formen immer dünner geklopft. Der große Nachteil der Darmsaite ist ihre Hygroskopie, ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Luft zu absorbieren, was die Spannung verringert. Dieser Effekt macht sich unglücklicherweise besonders bei Konzerten bemerkbar. Der/die MusikerIn stimmt sein/ihr Instrument. Füllt sich der Saal allmählich, verstimmt sich das Instrument, weil durch Transpiration und Atemluft die Feuchtigkeit zunimmt und die Stimmung nachlässt. Zu den Vorteilen der Darmsaite zählt neben dem unverwechselbaren Klang auch die Ähnlichkeit mit der menschlichen Stimme und die besonders differenzierte Ansprache. Neue Anforderungen an die SolistInnen und Orchester und ein höherer Stimmton machten Anfang des 20. Jahrhunderts die Entwicklung einer neuen Saite notwendig. |
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Viele Hersteller bieten ihre Saiten in verschiedenen Stärken an: weich, mittel, stark oder light, medium, heavy... Aber Vorsicht: Die mittlere Stärke des Herstellers a entspricht aber nicht unbedingt der mittleren der Firma b. Somit eröffnen sich wieder viele Möglichkeiten für die Wahl der Saite. Unterschiedliche Stärken haben direkte Auswirkung auf den Klang. Eine leichte, dünne Saite schwingt zwar aufgrund der geringeren Masse stärker und länger, gibt aber weniger Energie an Steg und Instrument weiter. Das führt zu einer guten Ansprache und langem Sustain, aber auch zu einem eher leisen Ton. Stärkere Saiten mit höherer Saitenspannung erzeugen einen lauteren, höhenreicheren Ton. Wichtig ist, die für das einzelne Instrument geeigneten Saiten bzw. die optimale Saitenspannung herauszufinden. Denn ein durch zu hohe Spannung erzeugter zu starker Druck auf die Decke wirkt sich wiederum negativ auf die Klangeigenschaft aus. Wenn man herausfinden will, wie andere Saitenstärken den Klang verändern werden, kann man das durch Herauf- bzw. Herunterstimmen ausprobieren (Violinen und Violen bis zu einem Viertelton, Celli bis zu einen Halbton). Beginnen Sie mit den zwei oberen, danach mit den zwei tiefen Saiten. Wenn das Streichinstrument nach dem Herunterstimmen besser klingt, sollte man dünnere, leichtere Saiten ausprobieren, und wenn es durch Hinaufstimmen besser klingt, stärkere. Es empfiehlt sich durchaus auch, einzeln die Saiten höher oder tiefer zu stimmen. |
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Folgende Zusammenhänge und Parameter sollen Ihnen die Wahl der richtigen Saiten erleichtern: Der gestrichene Ton einer Saite unterscheidet sich vom gezupften dadurch, dass die Saite nicht angeregt wird und dann frei ausschwingt, sondern durch den Bogen gezwungen wird, ständig zu klingen. |
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Der Bogen gleitet über die Saite und verdreht sie, nimmt sie mit. Ab einem gewissen Punkt ist der Torsionswiderstand der Saite größer als die Reibung des Bogens. Die Saite reißt sich los und dreht sich zurück. Der Bogen nimmt aber die Saite von neuem mit und so fort. Man kann dieses vielfache Anzupfen der Saite gut am Oszilloskop erkennen. Es zeigt eine zackenartige Schwingung, die sogenannte Sägezahnschwingung. Im Gegensatz zu dem gezupften Ton ist der gestrichene dynamisch beeinflussbar, formbar und beständig und kommt dem Ideal der Stimme nahe. Die wichtigsten Parameter zur Bestimmung der Tonhöhe einer Saite: Vereinfacht kann man sagen: Wird die Saite durch Abgreifen verkürzt, wird der Ton höher. Wird die Spannung erhöht, wird der Ton ebenfalls höher. Wird aber die Masse erhöht, wird der Ton tiefer: Tiefe Instrumente habe daher dickere, schwerere Saiten. Je dünner die Saite nun ist, desto eher entspricht sie unserer physikalischen Idealsaite: desto besser kann sie sich zerlegen und auch in ihren Teilschwingungen schwingen. Der Klang ist obertonreicher. Eine stärkere, dickere Saite bei gleicher Stimmung aber ergibt eine größere Klangfülle, weil ja auch mehr Druck auf das Instrument ausgeübt wird. Die Ansprache kann sich aber auch verschlechtern. Mit Hilfe der Art der Umspinnung kann nun der Erzeuger den Druck und die Ansprache steuern. Die Mensur, die Länge und der Stimmton stehen für die meisten unserer Instrumente fest. Was geschieht nun weiter mit dem Ton, den die Saite erzeugt? Jedes Kordophon ist ein gekoppeltes System: Über den Steg, der quasi in der entsprechenden Frequenz auf die Decke "klopft", werden die Schwingungen auf die Decke übertragen. Der Stimmstock überträgt diese Schwingungen auf den gesamten Korpus und der Bassbalken verteilt die Schwingungen über die Decke. Der Ton, den wir hören, kommt aber nur zum Teil aus den F-Löchern, der größere Teil wird direkt von Decke und Boden abgestrahlt. Jeder einzelne Teil dieses Systems, wir erinnern uns an das Pendel, hat nun Einfluss auf den Ton, den wir wahrnehmen. Der Steg wirkt geradezu als Filter für die Frequenzen, die von der Saite erzeugt werden, und der Korpus mit seinen Eigenresonanzen verändert den Klang nochmals: Durch diese Vielzahl an Abwandlungen wird nun verständlich, warum kein Instrument wie das andere klingt, es für den Geigenbauer unmöglich ist, eine tatsächliche Kopie eines Instruments zu erstellen. |
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