Vom Wesen der Saite

Kern   Umspinnung   Stärken
 

Prinzipiell setzt sich eine Saite aus drei Elementen zusammen: Kern, Umspinnung und Spannung


 Kern

Betrachten wir zuerst einmal den Kern und damit die "Seele" der Saite.

Darmkern
Die natürliche Elastizität und die spezielle Charakteristik des Darmkerns können bis heute nicht durch Stahl oder Kunststoff ersetzt werden.

Klang: Darmsaiten gelten seit Generationen als die besten Saiten überhaupt. Die blanke Darmsaite hat den unverkennbar zarten, etwas gedämpften, warmen Klang, während die besponnene Darmsaite genau die richtige Elastizität für heutige Klangerwartungen und Spieltechnik mitbringt. Sie besticht durch Klangschönheit, Charme und Klagfülle.

Einspielen: Unterschiedlich langes Einspielen ist nötig. Bei Qualitätsprodukten ist die endgültige Dehnung der Saite, je nach Instrument, in 1 – 3 Tagen erreicht.

Stimmen: Von oben nach unten

Stimmhaltung: Aufgrund der Natürlichkeit des Material reagieren Darmsaiten empfindsam auf Veränderung der Luftfeuchtigkeit. Dann ist das Nachstimmen erforderlich. Denn steigende Luftfeuchtigkeit lässt den Darmkern quellen. Fallende Luftfeuchtigkeit dagegen verkleinert den Durchmesser, was zu höherer Spannung führt.

Handhabung: Bequem zu greifen und überaus modulationsfähig.

Verwendung: Vor allem von MusikerInnen höheren Niveaus werden Darmsaiten für Streich- wie Pizzicatospiel verwendet. Die blanke Darmsaite wird – Barock- und Renaissance-Musik ausgenommen – nur noch wenig gespielt.

Lebensdauer: Mittel bis lang. Profis wechseln ihre Violinsaiten nach 1 bis 2 Monaten. Schüler spielen bis zu einem Jahr.

Preis: eher teuer

Qualität: Aufgrund des natürlichen Rohstoffes kann es zu unterschiedlichen Qualitätsausprägungen kommen. Bei Qualitätsprodukten führt jedoch die strenge Kontrolle des Rohmaterials zu gleichbleibender Qualität.

Vollstahlkern
Klang: Mit ihrem harten und kräftigen Klang genügen Saiten mit Vollstahlkern der/dem durchschnittlich Lernenden.

Einspielzeit: kurze Einspielzeit

Stimmen: Von unten und etwas von oben

Stimmhaltung: Hervorragende Stimmhaltung

Handhabung: Etwas kernig, hart zu greifen

Verwendung: Aufgrund Ihrer Problemlosigkeit verwendet man Vollstahlkernsaiten gern für das Üben und im Unterricht. Sie sind auch für das Streichspiel geeignet. Bass-Saiten sind für das Pizzicatospiel ungeeignet.

Lebensdauer: Besonders langlebig

Preis: Günstig, daher ideal für SchülerInnen.

Qualität: Gleichbleibende Qualität ist gewährleistet.

Seilstahlkern/Kabel
Klang: Ihr weicher, kräftiger, angenehmer und sonorer Klang macht Seilstahlkernsaiten ideal für den/die SpielerIn mit höheren Ansprüchen.

Einspielzeit: Mittelfristige Einspielzeit

Stimmen: Von oben nach unten

Stimmhaltung: Halten die Stimmung hervorragend

Handhabung: Gut und weich greifbar

Verwendung: Für Streich- wie Pizzicatospiel sind Seilstahlkernsaiten problemlos einsetzbar. Ihr sonorer Klang macht sie sehr beliebt für Viola und Cello. Besonders geschätzt von erfahrenen KünstlerInnen.

Lebensdauer: Besonders langlebig

Preis: Gemessen an der Lebensdauer sehr günstig.

Qualität: Gleichbleibende Qualität ist gewährleistet

Feinseilstahlkern
Klang: Mit ihrem kräftigen, runden und ausgewogenen Klang entsprechen Feinseilstahlkernsaiten den höchsten Ansprüchen.

Einspielen: Mittelfristige Einspielzeit

Stimmen: Gleich von oben wie unten

Stimmhaltung: Beste Stimmhaltung garantiert

Handhabung: Ihr hochflexibler Kern macht Feinseilstahlkernsaiten besonders weich und gut greifbar.

Verwendung: Feinseilstahlkerne sind für Streich- wie Pizzicatospiel hervorragend geeignet. Werden von SpitzenkünstlerInnen aller Stilrichtungen verwendet; Bass-Saiten sind für Elektroabnehmer geeignet und daher besonders bei JazzerInnen bliebt.

Lebensdauer: Sehr langlebig

Preis: Gehobenen Mittelklasse

Qualität: Gleichbleibende Qualität gewährleistet

Kunststoffkern / Synthetics
Aufgrund der großen Unterschiede bei Synthetics betreffen die folgenden Informationen nur gehobene Marken.

Klang: Jenem der Darmsaiten ähnlich... also rund, weich und klar. Synthetics klingen nicht metallisch und sind obertonreich. Sie verleihen dem Spiel eine lebendige, kräftige und voluminöse Note.

Einspielzeit: Variiert je nach Marke und Typ von kurz bis lang.

Stimmen: Von unten

Stimmhaltung: Variiert je nach Marke und Typ von mittel bis sehr gut. Ihr Vorteil ist die hohe Unempfindlichkeit gegen Temperatur und Feuchtigkeit.

Handhabung: Gut und weich zu greifen. Speziell im Anstrich ist eine gute Klangmodulation möglich.

Verwendung: Vom Schüler bis zum Virtuosen. Verfügen über ein hohes Klangspektrum und werden in allen Stilrichtungen verwendet. Bass-Saiten liegen wegen ihrer relativ großen Länge im physikalischen Grenzbereich. Bei ausreichender Torsionsfestigkeit ist die Längsflexibilität unbefriedigend für die Ansprache. Daher auch nicht für Verlängerungsmechaniken verfügbar.

Lebensdauer: Synthetics werden nicht alt, da zum Erreichen des optimalen Klanges der Kern extrem belastet werden muss.

Preis: Allein schon durch die geringe Lebensdauer eher teuer.

Qualität: Von Synthetics der gehobenen Marken ist gute bis sehr gute Qualität zu erwarten.

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 Umspinnung

Soviel zum Kern der Saite. Werfen wir nun einen ausführlichen Blick auf die vielzähligen Möglichkeiten der Umspinnung... von A wie Aluminium bis W wie Wolfram.

Aluminiumumspinnung
Da das spezifische Gewicht von Aluminium sehr gering ist, können dickere Saiten hergestellt werden.

Probleme: Bei schlechter Lagerung kann bereits im Säckchen eine elektrochemisch bedingte Korrosion auftreten, wodurch sich die Saite pulverartig zersetzt. Speziell bei säurenhaltigem Schweiß schwärzen die Finger leicht. Dieses Problem kann durch auftragen einer Fettschicht im Griffbereich (z.B. Handcreme) behoben werden, was nebenbei auch angenehm ist. Saiten mit dünner und weicher Umspinnung neigen zu raschem Verschleiß.

Klang: Metallisch und hell

Preis: Besonders günstig

Chromumspinnung
Eigentlich handelt es sich bei Chromumspinnungen um Legierungen im Bereich der rostfreien Stähle in Küchenqualität. Damit lässt sich der Klang besonders leicht formen.

Probleme: keine

Klang: Sehr spezifischer Klang, in der Regel beabsichtigt.

Preis: Mittlerer Bereich

Goldumspinnung
Goldumsponnene Saiten sind praktisch nur bei der Violine in Verwendung. Sie verleihen einen chemischen Oberflächenschutz gegen Handschweiß und ermöglichen eine spezifische Klangbeeinflussung.

Probleme: Neigen bei zu viel Kolophonium zum Pfeifen. Der Kern neigt bei der Vergoldung zur Versprödung.

Klang: Der Klang von Goldumspinnungen hat seine Fans, ist jedoch nicht jedermanns Sache.

Preis: Saiten mit Goldumspinnung sind sehr teuer.

Kunststoffumspinnung
Kunststoff wird meist in dicken Bändern für Bass-Saiten verwendet. Der Klang kann dadurch in einer für die Beschichtung typischer Weise beeinflusst werden. Durch das geringe spezifische Gewicht können dickere, besser zu greifende Saiten hergestellt werden. Die Oberfläche spricht auf Kolophonium besonders gut an.

Probleme: keine

Klang: Kunststoffumsponnene Saiten klingen wärmer und bassiger.

Preis: Der Preis für kunststoffumsponnene Saiten liegt im Mittelbereich.

Nickelumspinnung
Nickelumspinnungen werden bei Streichersaiten sehr selten verwendet. Meist werden Chrom und ähnliche Legierungen fälschlicherweise so bezeichnet. Nickelumspinnungen ermöglichen eine spezifische Klangbeeinflussung.

Probleme: Vorsicht bei Nickelallergien. Wenn keine anderen Saiten benutzt werden können. kann ein Einfetten der Saiten Abhilfe schaffen.

Klang: Sehr eigentümlicher, warmer Klang, der bei einigen MusikerInnen beliebt ist.

Preis: Im mittleren Bereich

Silberumspinnung
Silber wird nur in der Decklage, also der äußersten Umspinnung verwendet. Dadurch lässt sich der Klang besonders positiv beeinflussen. Außerdem lassen sich, bedingt durch das hohe spezifische Gewicht, dünnere Saiten herstellen. Wird besonders bei der vierten Saite eingesetzt. Übrigens können produkt- und fertigungsbedingt die Silberbänder nur auf den Saiten geschliffen werden.

Probleme: Durch den Luftkontakt kann die Saite fleckig werden, was aber ein rein optisches Problem darstellt.

Klang: Warmer und runder Klang. Speziell in Verbindung mit Nickel in den unteren Lagen ist diese Saitenart in der Praxis nicht mehr wegzudenken.

Preis: Variiert entsprechend dem Edelmetalleinsatz

Titanumspinnung
Wird vor allem bei der dünnsten Saite verwendet. Das eher geringe spezifische Gewicht ermöglicht eine Vergrößerung des Saitendurchmessers. Eine blanke Saite kann zur höheren Kernbelastung (für besseren Klang) mit einer Umspinnung versehen werden. Dabei soll der Kern aber nur sehr wenig Gewicht an die Umspinnung abgeben. In diesem Fall lässt sich Titan hervorragend einsetzten.

Probleme: Saiten mit Titanumspinnung verschleißen rasch, die Bänder lösen sich.

Klang: Nicht ganz hell und auch nicht metallisch

Preis: Bedingt durch den Werkstoffpreis eher teuer

Wolframumspinnung
Wolfram wird immer unterhalb der obersten Decklage gesponnen und ist nur als Runddraht in Verwendung. Durch das hohe spezifische Gewicht kann bei der dritten und vierten Saite wie auch bei Instrumenten mit kleiner Mensur der Saitendurchmesser verkleinert werden. Wird auch zur Durchmesserabstufung im Satz verwendet.

Probleme: Durch die große Härte des Materials kann es bei der Produktion zu Unregelmäßigkeiten kommen, was eine hohe Reklamationsrate bedeutet. Unter Berücksichtigung dieser Grenztechnologie werden Reservesaiten empfohlen.

Klang: Einsatz von Wolfram wirkt sich meist neutral aus. Negative Beeinflussung ist selten der Fall.

Preis: Durch Materialpreis und Fertigungsprobleme sehr teuer

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 Stärken

Im direkten Zusammenhang mit Saitenkern und Umspinnung der Streichersaite steht Spannung der Saite. Diese ist ein vom Instrument vorherbestimmter Parameter und wird meist in 3 bis zu 5 Abstufungen angeboten – von "weich" bis "stark". Welcher Saitensatz verwendet wird ist nicht nur vom Instrument, sondern auch von der Klangvorstellung der Musikerin/des Musikers abhängig. So werden mitunter auch gemischte Sätze gewählt. Dabei sollte man jedoch beachten, dass einige Firmen unter der selben Spannungsstufenbezeichnung verschiedene Saitenzüge anbieten.

Die Saitenwahl – eine "spannende" Sache
Selbst erfahrene Geigenbauer finden nicht auf Anhieb die richtige Saitenspannung.

Einer der Gründe dafür ist: Holz ist eben lebendig, und jede Geige ist ein Unikat.

Hier ein kleiner, grundsätzlicher Leitfaden – den Sie jedoch am besten mit Ihrer Spielerfahrung und durch Ausprobieren in der Praxis ergänzen:

Notenständer
Notenständer

Weichere Saiten:
Diese werden besonders bei "weichen" Instrumenten empfohlen sowie bei solchen mit grob gemasertem Holz.

Weitere Kriterien sind: geringe Deckenwölbung – also eine niedere Bauform – also ein "leicht" gebautes Instrument.

Weiters verwendet man weiche Saiten bei hohem Steg und großer Saitenlänge, da man durch den großen Abstand am Griffbrett sonst rasch ermüdet.

Stärkere Saiten
Diese werden bei den entgegengesetzten Fällen empfohlen – also bei jungen Instrumenten, bei fein gemasertem Holz, hoher Deckenwölbung und dickeren Wandstärken, ebenso bei niedrigem Steg und daraus resultierender niedriger Saitenlage. Generell ist zu sagen, dass Streichinstrumente mit kleinerer Mensur stärkere Saiten benötigen.

An dieser Stelle wollen wir auch mit dem alten Vorurteil aufräumen, dass Stahlsaiten härter gespannt sind als Kunststoffsaiten. Es gibt genauso stärker gespannte Kunststoffsaiten wie schwächer gespannte Stahlsaiten – alles ist möglich...

Manche HerstellerInnen geben leider keine Spannkraftangabe, die man aber durch Nachfrage eruieren kann. Trotzdem ist zu bedenken, dass es immer einen Toleranzspielraum gibt. Durch die verschiedenen, oft unbekannten Werkstoffe ist ein Rückschluss von der Saitendicke auf die Spannung nicht möglich. Das bedeutet auch, dass Saiten verschiedener HerstellerInnen bei gleicher Dicke unterschiedliche Spannungen haben.

Auch wollen wir hier auf einen Trick mancher SaiterherstellerInnen hinweisen:
Ein "neues" Produkt wird oft lediglich mit einer anderen Saitenspannung angeboten. Das heißt, der neue Satz hat einfach nur eine andere Spannungsabstufung: er klingt somit zwar anders, aber in der Praxis meist nicht besser.

Noch ein Wort an die CellistInnen: Auch Ihr Instrument hat den physikalisch bedingten "Wolfton" (das ist die Toninterferenz aus der Instrumenten-Eigenfrequenz, dem Luftton des Instrumentenhohlraumes und dem Saitenklangspektrum).

Beim guten Cello liegt dieser "Wolfton" unter Hörlautstärke. Ist er dennoch zu hören, so helfen manchmal die richtigen Saiten – aber nicht immer. Dann muss das Instrument selbst optimiert werden.

Abschließend zum Thema Saitenwahl:
Gezielte Analytik kann viel helfen: Meinungsaustausch mit Fachleuten wie MusikerInnen und GeigenbauerInnen sowie Eingrenzung der Fehler durch eigene Versuche. Methodische Aufzeichnungen dieser Tests erweisen sich als hilfreich. Zeichnet sich ein Trend ab, so wiederholen Sie den Versuch noch einige Male, um den etwaigen Einfluss von Tagessituationen auszuschließen.

So wird es Ihnen möglich sein, die optimale Wahl für Sie und Ihr Instrument zu treffen.

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